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Rebell und Rhapsode

CD-Hörbegegnungen mit dem Werk des frühen und des reifen Peter Handke

Peter Handkes Vorlesungen sind selten und Stimmeinspielungen rar. Mehrere CD-Editionen ermöglichen nun die akustische Begegnung mit dem ganz frühen und dem reifen Autor. Dabei erweist sich, wie konstitutiv die Mündlichkeit fr Handkes Texte ist.




Peter Handke hrt sich nicht auf. Zumindest kaum literarisch. Der Schriftsteller, der 1966 mit seiner fulminanten «Publikumsbeschimpfung» die bürgerliche Institution Theater torpedierte - und mit ihr überhaupt die öffentliche Ritualisierung von Kultur -, betätigt sich nur im Notfall als Handlungsreisender seiner eigenen Literatur. Lesungen sind selten, literarische Tonaufnahmen rar. Ist Handkes Stimme dem Medienkonsumenten eher im Kontext seiner serbischen Sentimentalitäten als empörter und empörender Diskant in Erinnerung, widerfährt mit mehreren akustischen Publikationen nun endlich seiner poetischen Stimme Gerechtigkeit. Wenn dabei zwei Aufnahmen des Frühwerks aus den siebziger Jahren - diese gelesen von Handke, jene interpretiert von Bruno Ganz - einer Studioeinspielung mit dem Autor aus dem Jahr 2001 gegenüberstehen, stehen diese Tondokumente nicht nur für Handkes Erprobungen poetischer Positionen, sondern auch für die Biografie einer Stimme.

Beruhigung der Stimme

Entäussert sich der junge Handke bei der steilen Artikulation der Exerzitien aus der «Innenwelt der Aussenwelt der Innenwelt» in hochgepresster Tonlage, so erklingt mit dem reifen Erzähler von «Lucie im Wald mit dem Dingsda» ein sanfter Rhapsode, der seine Rede gehörig mit Schweigen durchsetzt. Mit zunehmendem Lebensalter hat der Autor einen ruhigeren, auskostenden Umgang mit seiner Stimme gewonnen. Gleichwohl ist bei den pochenden Deklamationen des frühen Handke nicht nur das stimmliche Niedersprechen von Unsicherheiten zu vernehmen. Wie in der (leider bisher nur in Auszügen auf Tonträger veröffentlichten) «Publikumsbeschimpfung» stellt der Autor auch in den Sprachspiel-Verderbungen der «Innenwelt» seine Stimme präzise auf die Situation ein. Handke ist hinreichend Beatnik und Pop-Poet seiner Zeit, um auf die Wirkkraft seiner soziolinguistischen Rebellenlieder zu achten. Wenn er etwa das Wort «Zeit» so lange durch die grammatischen Kategorien jagt, bis diesem sämtliche Selbstverständlichkeiten ausgetrieben sind, wird ohrenfällig, wie aufsässig diese Stimme zur provokativen Deklaration von störenden Thesen drängt.

Die Sprachproben, welche Handke aus öffentlichen Zusammenhängen bricht und deren immanente Gewalt er aufzeigt, schleudert er im monotonen Megaphon-Ton in diese Öffentlichkeit zurück. Handkes Lesung aus der «Innenwelt der Aussenwelt der Innenwelt» kehrt nun nach knapp 35 Jahren als Audio-CD an die Öffentlichkeit zurück und gibt ein nach wie vor akutes Röntgenbild der alltäglichen Sprachkorruption. Als gesellschaftliche Röntgenaufnahme erscheint dahingegen die 1972 erstmals publizierte Prosastudie «Wunschloses Unglück», in welcher Handke so umsichtig wie geistesgegenwärtig auf den Suizid seiner Mutter reagiert.

Antisentimentale Formung

Wenn nun auch dieser Text - diesmal in einer 1977 für die Deutsche Grammophon entstandenen Einspielung mit Bruno Ganz - akustisch aktuell auf uns zurückkommt, steht mit ihm einmal wieder die literarhistorische Etikettierung des frühen Handke als Künder der «neuen Innerlichkeit» zur Debatte. Dabei legen Text und Lesung das Gegenteil nahe: Mit Ausnahme der rahmenden Schreiberklärungsgesten des Autors gibt es kaum ein Buch, das so un-innerlich - so klar in der soziohistorischen Analyse, so kristallin in der antisentimentalen Formung - die Aussichtslosigkeit eines Frauenlebens zur Sprache bringt. Zwischen den Nötigungen der Dürftigkeit in Lebensraum, Familie und Krieg verödet der Traum von der individuellen Autonomie: «Selten wunschlos und irgendwie glücklich, meistens wunschlos und ein bisschen unglücklich» ist das Maximum der Gefühle, das Handke seiner Heldin zugesteht. Trägt der Interpret Bruno Ganz dieser Pathosferne unbedingt Rechnung, so bleibt von den Herausgebern der Edition leider unkommentiert, wie die Lesefassung zustande gekommen ist. Ãâ€Å¾hnlich (und ärgerlich) bedeckt, was das Aufnahmedatum betrifft, hält sich der Beipackzettel des Verlegers bei der Ausgabe der «Innenwelt».

Zwischen der Aufnahme der «Innenwelt» (1970) und Handkes Studio-Lesung von «Lucie im Wald mit dem Dingsda» (2001) liegen drei Lebensjahrzehnte eines produktiven Romanciers, Übersetzers, Diaristen, Drehbuch- und Theaterautors; zugleich drei Schaffensjahrzehnte eines Schriftstellers, welchen es nie bei der einmal erarbeiteten poetischen Position hielt. Die Daten der Einspielung der «Innenwelt» und derjenigen der «Lucie» flankieren somit eine Suchbewegung, welche sich von der militanten Sprach- und Gesellschaftskritik der späten sechziger Jahre während der Siebziger den Innenaufrissen problematischer Helden zuwendet, um in den achtziger und neunziger Jahren die verschiedenen Seinsweisen ästhetischer Epiphanie zu erkunden.

Die 1999 als Buch publizierte, zwei Jahre später vom ORF mit dem Autor eingespielte Erzählung «Lucie im Wald mit dem Dingsda» gibt sich als indirekt illuminiertes Märchen über Eltern, Kinder und über die Macht der Phantasie. Die siebenjährige Lucie ist Tochter einer virilen Polizistin und eines Vaters, der sich wie ein Verlierer (Looser) auf der ganzen Linie ausnimmt. Womit diese lebensferne Figur bereits nominell in die Nachbarschaft des Amateurarchäologen Andreas Loser aus der 1983 erschienenen Erzählung «Der Chinese des Schmerzes» rückt. Immerhin findet die Lebens- und Autoritäts-Untauglichkeit des «Zitterers» ein fruchtbares Betätigungsfeld im Garten, wenn er nicht gerade wieder einmal zu einer seiner Expeditionen in die Wälder aufbricht, von welchen er ganze Kollekten phantastischer Naturdinge - sprich: «Dingsda» - zurückbringt.

Erlösungsgeschichte

Phantasiepragmatikerin, die das Mädchen nun einmal ist (als solche eine Verwandte von «Alice im Wunderland» und der «Lucy in the Sky» von den Beatles), fühlt sich Lucie zu den dubios-wunderbaren Walddingen mindestens ebenso hingezogen, wie sie die väterliche Defensive mitunter regelrecht geniert. Als aber dann der Vater - dessen Vertriebenenschicksal angedeutet wird - in die Fänge der Ordnungsmacht gerät, ist es Lucies sechster Sinn, welcher ihr gebietet, mit einem Armvoll «Dingsda» vor den König zu treten. Und siehe, es wird in der Folge nicht nur der Vater gerettet, sondern es findet auch die sonderbare Familie einen märchenhaften Neubeginn.

Auf labyrinthischen Erzählwegen bahnt Handke eine Erlösungsgeschichte, deren vorgebliche Kinderperspektive dafür sorgt, dass Rätsel und Wunder auf leichte, freibleibende Weise ohne Dogmatik und Deutung bestehen. Seine Leseweise akzentuiert dieses «Freibleiben», indem sie den Text sachte beatmet und in melodischer Monotonie so vorträgt, als wisse und erzähle er diese zum ersten Mal. Die Maultrommel, die der Sprecher während der Erzählpausen schlägt, wird zum musikalischen Emblem einer Poetik, welche das Schreiben und Schweigen, das Artikulieren und Atmen, das Hinhören und Aufhorchen gleichermassen in sich schliesst.

Die akustischen Ausgaben von «Innenwelt», «Wunschloses Unglück» sowie der «Lucie» machen sinnfällig, wie sehr die konkrete Mündlichkeit in Peter Handkes Texte eingeschrieben ist. Sollten die Zeiten, in welchen das Wünschen noch geholfen hat, doch noch nicht ganz vorüber sein, würde man auf zukünftig sorgfältigere Editionen hoffen sowie auf die überfällige Erschliessung der in verschiedenen Archiven lagernden Tondokumente der «Publikumsbeschimpfung». Die Sprach- und Ritualkritik des frühen Handke hat unserer «société du spectacle» vielleicht mehr zu sagen, als uns genehm ist: «Schlucken Sie. Sammeln Sie Speichel. Blinzeln Sie. Hören Sie. Atmen Sie.»

Christiane Zintzen

Peter Handke: Die Innenwelt der Aussenwelt der Innenwelt. Autorenlesung (1970). 1 CD (48 Min.), Deutsche Grammophon Literatur 2004.

Ders: Wunschloses Unglück. Sprecher: Bruno Ganz (1977). 1 CD (58 Min.), Deutsche Grammophon Literatur 2004.

Ders: Lucie im Wald mit dem Dingsda. Autorenlesung. Buch mit 2 CD (89 Min.), Suhrkamp 2004.

Ders: Lucie im Wald mit dem Dingsda. Autorenlesung. 2 CD (89 Min.). ORF 2004. http://shop.orf.at



 

 


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Handke Translators in the Austrian Embassy in Paris

http://thegoaliesanxiety.wordpress.com/2013/01/21/handke-translators-in-the-austrian-embassy-in-paris/

by Scott Abbott

Yesterday, this email from Zarko Radakovic. He wrote it in German, his second language. It wasn’t perfect. It was perfect.

 

My Dear Friend,

 

We’re home again.

 

It was remarkable in Paris.

 

The evening in the Austrian Embassy: Incredible. Intimate.

 

The Ambassador wanted to organize a large reception for Peter [in honor of his recent 70th birthday]. Peter declined. He agreed to an evening for his translators and most intimate friends. There were about twenty of us.

 

Of the translators, four of us were present: Eustaquio Barjan (Spanish), Claudio Groff (Italian), Anne Weber (French, plays) and I (Serbian). Olivier le Ley (Handke’s French prose translator, a bright young man I met in the Sierra de Gredos [an earlier convocation of Handke translators], was ill, and G. A. Goldschmidt [translator of earlier novels into French and himself a novelist whose work Handke has translated] didn’t come (who knows just why?).

 

It was, as I said, a remarkable evening. Peter greeted each of us personally. He was dear and tender and attentive.

 

Although he was dressed formally, I thought he seemed dressed for one of our trips. As if ready for a hike.

 

He was a splendid host.

 

As was the Ambassador (a giant woman, blonde, courteous, eager and yet laid-back, wearing a kind of mini-skirt that made me think, repeatedly: now she’ll jump up and begin to dance).

 

Sophie [Peter’s wife] was dear and charming, now and then very funny.

 

Anne [Zarko’s wife], in her new dress, discreet as always, and yet always right there.

 

We all sat at a large table, each at a place determined in advance. Peter and Sophie together, like a double Jesus. I, to the right of Sophie. Anne Weber to the left of Handke. Next to her Eustaquio. To my right a congenial Italian woman (a friend from the theater). Left of Eustaquio, Anne, and next to her Louis, Sophie’s son. And so on.

  

The evening meal proceeded slowly, ceremoniously, and yet dynamically.

 

The evening of translators.

 

First a word of greeting by the Ambassador, her original thoughts for the evening and then Peter’s own wishes.

 

Peter spoke. His voice soft, beautiful. He laid out the course of the evening. He asked that we translators read from our translations. And he announced the order of readings.

 

We read between the courses.

 

And what we read seemed like additional courses of the meal.

 

Was the order of readings based on our ages? Or as the appropriate spices for courses? Or as pairings for the drinks?

 

As appetizer: a kind of fish-gelée with vegetables and potato puffs and a white wine. Eustaquio’s contribution to the course was a section of his translation of Don Juan, a recent publication. I have never heard the Spanish language so light and sweet and mild, and I immediately asked the waiter for a second glass of the exquisite wine. And I needed it, for I was the reader following Eustaquio.

 

I read from my recently published translation of The Moravian Night. I read with a quiet voice, paradoxically loud, trembling and powerful. And I sensed my language as another, never-yet-heard foreign language and yet so near -- and my own. And it seemed like a good wine and like the finest music from the Balkans, World-Music as well, and I felt like a musician in tune with my beloved and reliable instrument. In the music I heard Peter’s voice in the distant background and the two of us played Peter Handke’s notes and played them and played them.

 

At some point we quit playing . . .

 

The main course followed: goulash with dumplings, paired with a good red wine. And we ate and ate and ate.

 

And then Claudio read his Italian translation of The Moravian Night. He sang it so melodically that it had the effect of a canzone with Peter’s and my voices in the background. It tasted spicy! And it made us feel happy. It was funny and witty, sometimes thoughtful, then open for discussion, ready for disputation.

 

The cheese plate followed. Another new wine, a white -- full-bodied, perfect. And, to go with the wine, Anne Weber read from the “Essay on the Stillness of the Outhouse.” And now not a translation, but the original, Peter’s native language that tasted so perfectly dry. We, all the translators, immediately thought: “I’ll take this recipe home and prepare this tasty dish as soon as possible.”

 

At the end there was apple strudel, coffee, and yellow-plum brandy.

 

Peter took a piece of paper from his pocket that seemed like a leaf he had found on his last hike. It was a letter from a young reader, a sixteen-year-old girl named Dragana Nikolic from Vienna, obviously of Serbian descent. Peter read from the reader’s letter, he read the moving words of someone who had read The Moravian Night intently and intimately and we all, moved by Peter’s magnetic voice and his emphatic commentary, wanted to read that book, The Moravian Night, again and again and again.

 

We sat quietly at the end. We sat there tired and satisfied. Then we laughed. Then we spoke quietly. Then we fell silent. Etc.

 

That’s how is was, my dear friend, in the Austrian Embassy in Paris, in the building in which at one time someone worked whom Peter visited often and then described as a press-attaché in his book The Hour of True Feeling.

 

The following days in Paris were wonderful.

Another lunch with Sophie and Peter.

A fine exhibition of paintings by Edward Hopper.

The film Django.

A Salvador Dali retrospective.

Good food and drink.

 

And again and again a glass of wine for you, dearest friend.

 

All the best,

Your,

Zarko




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